Integration und Migration
Mehr als 15 Millionen Menschen in der Bundesrepublik haben einen „Migrationshintergrund“, das heißt sie selbst oder irgendeiner ihrer näheren Vorfahren wurde nicht in Deutschland geboren. Viele dieser Menschen haben die deutsche Staatsangehörigkeit, die meisten leben seit vielen Jahren oder seit Generationen in diesem Land. Trotzdem sind viele Menschen mit Migrationshintergrund nach wie vor großen Diskriminierungen in nahezu allen Lebenslagen ausgesetzt.
Dies fängt beim rechtlichen Status an. Auch ist die Arbeitslosenrate unter Menschen mit Migrationshintergrund höher als die unter Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft, und dies unabhängig von Bildungsabschlüssen und beruflicher Ausbildung. Zudem finden sich überproportional viele Menschen mit Migrationshintergrund auf Sonderschulen wieder oder auf der Hauptschule. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist
entsprechend hoch, während die Anzahl abgeschlossener Berufsausbildungen im Vergleich zu Deutschen ohne Migrationshintergrund sehr gering ausfällt.
Hinzu kommt eine verbreitete alltägliche Diskriminierung in der Öffentlichkeit sowie in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion. In der öffentlichen Diskussion hat sich der Schwerpunkt der Debatte nahezu völlig auf die Aufgaben der Menschen mit Migrationshintergrund, sich zu „integrieren“ verlagert.
Die Versäumnisse der Mehrheitsgesellschaft werden allenfalls im Rahmen eines Gejammers über die Illusionen von „Multikulti“ und das verspätete Anpacken der Thematik angesprochen. Welche Aufgaben die Mehrheitsgesellschaft selbst hat, spielt hingegen keine Rolle. Dabei kann eine Beendigung der Diskriminierungen – alltäglicher oder institutioneller Art -, sowie eine wirkliche Gleichstellung in Sachen Bildungs- und Berufschancen eben nur durch Anstrengungen der Mehrheitsgesellschaft erreicht werden. Nur – das hätte dann auch die Aufgabe mancher eigener Privilegien von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft zur Folge.
Angeblich höhere Kriminalität, flächendeckende Diskriminierung der Frau und religiöser Fundamentalismus sind nur einige stets wiederkehrende Klischees in den Medien. Die tatsächliche Vielfalt der Lebensrealitäten und die Erfolgsgeschichten von Menschen mit Migrationshintergrund spielen keine Rolle.


